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MARATHON INTERNATIONAL DES GORGES DE L'ARDECHE 2008


Mittwoch, 05.11.08 23:14Uhr

Einundzwanzig Uhr ging es los. Mike, Jürgen, Vicky, Ronny, Kerstin und ich fuhren gemeinsam nach scheinbar unendbaren Wühlen, Verpacken und Verspannen im Bootshaus, Bootshänger und Transporter endlich los. Vorläufiges Ziel war die Grenze zu Frankreich in Mühlhausen. Es war erst einmal ruhig und auf der Autobahn nicht viel los bis Mike nach Musik verlangte. Jürgen, der den ersten großen Teil der Strecke fuhr, war es so unmöglich einzuschlafen. Mike saß vorn neben ihn und erfreute sich über die musikalischen Ergüsse von Bob Dylan, Vicky neben mir hörte ihre eigene Musik durch ihre Kopfhörer und nährte sich dem Schlaf, die Frauen hinten hatten ihn schon gefunden. Mir blieb nur mein verdientes Bier und die ersten Versuche diesen Moment während der Fahrt schriftlich zu fixieren. Draußen war es zu dem Zeitpunkt in Deutschland sehr kalt und feucht, drin im Bus wurde es immer wärmer.

Donnerstag, 06.11.08 9:37Uhr

Nachdem Mike und Jürgen verantwortungsbewusst in der Nacht sich mehrfach abwechselten um den Trupp nach Frankreich zu führen schlief ich ein, fast. Vicky quengelte taumelnd im Schlaf herum und lies mich nicht wirklich ruhen. Aber draußen wurde es schon langsam wieder hell. 9:15Uhr landeten wir auf einem Parkplatz, der uns, so hofften wir vorher, die ganze Idylle Südfrankreichs zeigen sollte. Ich bekam das nicht sofort mit, da mich Mike gerade auf seine Weise verführte den Schlaf unverzüglich einzustellen. Also erst einmal Frühstück. Großer, grauer Parkplatz mit ebenso grauen Asphalt und Flugzeug für Flugzeug über unseren Köpfen plus den Autobahnlärm; wir müssen wohl mit unserer guten Laune eine Oase dessen dargestellt haben.

19:41Uhr

Angekommen. Letztendlich dauerte die Hinfahrt fast sechzehn Stunden. Um uns eine Sicht über die Lage einzuholen reichte die kurze Brückefahrt in Vallon Pont d’Arc über den Fluss Ardéche. Die Gewalt der Hochwasserfluten beeindruckte einen von uns so sehr, dass Jürgen befahl mal ganz nah heran zu fahren. So blieben wir mit Zugmaschine und Hänger fast im Schlamm stecken; Jürgen rettete sich aber meisterlich aus seiner Misere und fuhr das Gespann mit Schwung und blöderweise offener Seitentür aus dem Schlamm heraus. Im Anschluss galt es also einen Campingplatz zu finden, was bei dem Blick aus dem Fenster nicht gerade animierte, denn man sah das Wasser auf den Feldern stehen und das Wetter verriet auch noch nicht, wie es umschlagen würde. Zum Glück fanden wir dann Platz in einem Bungalow, den wir uns recht bequem einrichteten. Später schauten wir uns noch vor Ort um und ließen uns an der Startstelle des Marathons vom französischen Fernsehen filmen. Langsam überkam der Hunger die Gruppe und wir gingen entschlossen Einkaufen, wobei sich der Aufenthalt beim Weinhändler ziemlich hinzog. Nicht gerade billig, aber sehr schmackhaft genossen wir dann eine Menge französischer Delikatessen, nachdem wir noch brauchbare Utensilien aus dem Bootshänger entladen hatten. Am Abend bekamen wir dann noch willkommenen Besuch von Heinz, dessen Familie und Sandra. Anzumerken sei besonders für die Autofahrer, dass man das Diesel mit der schwarzen und nicht der orangen Plakette tanken sollte, außer man hat Lust sich mit Biodiesel die Berge hoch zu mühen.

Freitag, 07.11.08 10:13Uhr

Gegen neun Uhr stand ich auf. Abermals weckte mich Mike, diesmal mit mehr Romantik als am Vortag. Draußen war noch dichter Nebel, der sich schon bald legen sollte. In der Küche war ein reges Treiben, was in ein genüssliches, gemeinsames Frühstück überging. Vorfreudig auf den Tag bereiteten wir uns auf eine Wanderung vor. Die Erkenntnis, dass wir nochmals einkaufen fahren mussten ließ Mike erneut die Spucke im Mund zusammenlaufen. 

10:31Uhr

Nachdem wir direkt vom Bungalow aus losliefen sahen wir unmittelbar wie die Ardéche über Nacht an Wassermenge verlor und wo die Abwässer der Camper landeten. Am Anfang noch sehr gemütlich zu laufen, mussten wir schon bald unsere Jacken und Pullover ablegen, da es zunehmend wärmer wurde. Direkt im Fels an der Ardéche wanderten wir, auch wenn es manchmal etwas heftiger als Wandern war. Da es die letzten Tage geregnet hatte, konnten wir nicht über den Bogen laufen, durch den die Ardéche direkt hindurch fließt. So suchten wir uns einen sehr schönen Platz aus und machten eine ausgedehnte Pause. Inzwischen schien die Sonne recht stark und die Aussicht ließ sich wirklich prächtig genießen. Ausgeruht gingen wir weiter und fanden reichlich Pilze. Da die Franzosen in der Regel keine Pilzesser sind, fanden wir zahlreich und hatten so einen Vorgeschmack zum Abendessen. Bald aber drehten wir um, denn unsere Route führte uns von der Ardéche weg. Nach einen langen Abend gingen wir dann recht müde zu Bett.

Samstag, 08.11.08 19:52Uhr

Wir entschlossen uns in den Ort Orange zu fahren. Auf den Weg dahin fuhren wir durch das weit ausgedehnte Gebirge,  durch welches sich die Ardéche schlängelt. Mindestens fünfmal hielten wir an, um die Aussicht zu genießen, den Flussverlauf zu folgen oder einfach Fotos zu machen. Die Fotos wurden später von mir hochgeladen und sind nun auf dieser Seite auch zu finden. In Orange angekommen schien die Sonne wieder heraus zu kommen. Vom kleinen Triumphbogen hinter der Stadtgrenze abgesehen wirkte alles nach dem typischen, italienischen Flair. Sehr enge Gassen, pittoreske Blickwinkel und mitten drin ein historisches Colloseum, welches noch aus Caesars Zeiten stammt. Man hat daraus eine Art Museum gemacht und wir schauten uns alles sehr ausgiebig an. Wir machten uns eine Zeit aus, zu der wir wieder am Auto sein wollten und trennten uns in Gruppen. Ich zog mit Mike durch die Gassen; mittendrin eine uralte, kleine Kathedrale mit sehr schönen Leinenbildern bestückt. Leider mussten wir dann am Auto mal wieder ewig auf die Frauen warten und es wurde früher dunkel als erwartet. Über einen Umweg fuhren wir dann zurück und aßen uns wieder angekommen mit Quark, und was so dazu gehört, voll. Der Abend gestaltete sich mit langen, unterhaltsamen Gesprächen und Erzählung.

Sonntag, 09.11.08 20:14Uhr

Wir hatten uns entschlossen, wenn der Marathon schon wegen den Wasserständen ausfiele und die Wasserstände nun aber gesunken sind, doch wenigstens einmal mit dem C10 eine kleine Strecke zu fahren. Das machte besonders mir sehr viel Spaß, denn ich saß an erster Stelle und durfte zum ersten Mal spüren, dass auch der hohe und steile Bug eines so großen Bootes mal eben in einer Welle versinken kann. Das Gletscherwasser war sehr frisch, aber das störte mich nicht. Jürgen auch nicht, denn der saß hinten, steuerte uns fachmännisch und wurde ganz und gar nicht nass. Angekommen ging es nun darum irgendwie wieder hoch zu kommen um den Bootshänger zu holen. Ein netter Niederländer lobte unsere technische Fahrkunst und nahm Jürgen hilfsbereit mit zurück nach Vallon Pont d’Arc. Das Boot dann hoch zu bringen, gestaltete sich zwar etwas schwierig, aber es war dann doch geschafft und wir fuhren mit einer guten Erfahrung zurück. Wir wollten noch einmal los und fuhren nach Aiguéze. Ein sehr kleines Dorf, was durch sein Alter ein gewisses Flair zeigte. Von dort aus konnte man die Ardéche entlang bis zum eigentlichen Ziel verfolgen. Wir liefen durch den Kern des Dorfes hoch bis zum höher liegenden Fels, von wo aus man die weiten Äcker bestückt mit Weinreben im Sonnenuntergangslicht betrachten konnte. Wir nahmen noch Thymian und andere Gewürze mit, die dort wild wuchsen. Ebenso gut schmeckte uns das letzte gemeinsame Abendessen. Wir brauchten nahezu alles auf und gingen mit dickem Bauch zu Bett. 

Montag, 10.11.08 12:45Uhr

Als wir halb sieben aufstanden waren alle noch recht müde. Mein Bauch machte komische Bewegungen und Geräusche. Ich bekam folglich nicht viel herunter. Nach einem kleinen, letzten Einkauf ging es auf die Fahrt nach Haus. An den Bergen lieferten wir uns auf der Autobahn einen erbitterten Wettkampf mit einem Campingwagen. Wir gewannen zwar mit Rückenwind, fuhren dann aber in die Box zum tanken. Nach circa fünfzehn Stunden kamen wir erst sehr spät nach Mitternacht in Dresden an.Auch wenn der Marathon als solcher ausfiel, so hat mir der ganze Mini-Urlaub doch sehr Spaß gemacht und ich würde das im nächsten Jahr gern wiederholen. Diesmal aber bitte mit Marathon.

Flo

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