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Kolberg 2010


Nach zwei Jahren Kanu-Pause hatte ich endlich wieder die Chance mit ins Trainingslager des Kanuvereins Rotation mitzukommen – zum Glück. Denn diese Tage bilden immer wieder die perfekte Mischung zwischen Entspannung, Anstrengung, nervlicher Belastung, Erfahrung und jeder Menge Spaß.
Einige der Teilnehmer und Teilnehmerinnen werden sich vielleicht fragen – Entspannung? War ich dabei? Das liegt, um eins vorweg zunehmen, einfach daran, dass Elisa und Ich (manchmal zu unserer Freude) nicht direkt im Training integriert waren! Eigentlich sollte es eine Art Sommerabschluss-Urlaub werden, doch schon am 2. Tag kann man der sportlichen Begeisterung aller nicht mehr standhalten. Ohne es selbst zu realisieren, standen wir jeden Morgen um 7, nach dem mitfühlendsten Wecken, welches (Trainer) Maik wahrscheinlich je herausbekam, auf und waren top motiviert für den Frühsport. Jedes Mal, wenn ich im Trainingslager mit dabei war, fiel mir auf, wie viel man eigentlich vom Tag verpasst, wenn man ausschläft. So konnten wir also aus jedem Tag in Kolberg einen wunderschönen und sportlichen machen. Frühsport hat alle aus den Betten geschüttelt. Das Interessanteste dabei waren die Gesichter der Jungs und Mädels vor und auch nach dem Frühsport – waren sie anfangs frustriert über diese unmenschliche Zeit, war jeder von ihnen spätestens nach der Stunde hellwach und voller Energie für den Tag – dank der wirklich guten Erwärmung der Trainer. Dass sich hier und da ein rebellischer Kanute frontal gegen die Trainer stellte und dem Frühsport seinen ganz eigenen Touch gab war vorauszusehen, gehört aber auf jeden Fall dazu, doch die Trainer wussten diese Probleme mit einem „Runter und 25!“ simpel und konfliktfrei zu lösen. Eigentlich ist das schon ein richtiger Teil des Trainings, wenn man überlegt, wie oft einige der Jungs diese Worte hörten…

An der ersten Trainingseinheit am Tag beteiligten wir zwei „großen“ Mädels uns vom Motorboot, Strichlisteführend und in der Sonne sitzend aus. Dabei musste ich jeden Tag aufs Neue feststellen, mit welcher Konsequenz die Jungs und Mädels des Vereins dieses Training durchziehen. Klar gibt es immer Ausnahmen, doch immer wieder sah man in den entschlossenen Blicken die Kraft und den Willen besser zu werden, was vielen von ihnen sicherlich auch gelang. Ein Highlight jedes Trainings war im Endeffekt leider doch, dass einer der Sportler ins Wasser fiel, denn dann hatten wir auf dem Motorboot endlich die Chance unsere Rettungsqualitäten unter Beweis zu stellen. Auch wenn ich dieses Jahr nur einen Anlauf brauchte, um einen Rostocker zu fahren, ist es für mich unbegreiflich, mit welcher Selbstverständlichkeit selbst die kleinsten unter den Kanuten mitten auf dem See wieder einsteigen und das Training weiter durchziehen! Eines der eindrucksvollsten Erlebnisse meinerseits war, als uns beide der kaum aus dem Boot herausragende Elwin ohne Mühe überholte – knappe 10 Jahre jünger! Allein an solchen Ereignissen merkt man, wie viel Kraft und System hinter dem Training steckt.

Neben dem vielen Kanufahren bot das Programm der Trainer perfekte Abwechslung auf dem Sportplatz bei einem Sportfest, bei energievollen Fußballspielen oder einer kleinen Volleyballrunde am Rande. Auch die Joggingstrecke wurde benutzt – nicht gerade zur Freude der Massen, aber auch so etwas gehört zum Training. Ich musste an diesen Stellen immer wieder meine Unsportlichkeit zugeben und bewunderte die Sportler.
Große Freude kam auf, als nicht Sport sondern Spaß den Mittelpunkt des Tages darstellte. Zwar mit sehr guten Ausreden und kreativen Sprüchen – dennoch sinnlos, versuchten die Erwachsenen und Trainer das Neptunfest zu verheimlichen und versteckt zu planen. Dass es trotzdem alle wussten, war eigentlich gerade lustig. Ich selbst hab das Neptunfest noch nie erlebt und war wohl mit Elisa am gespanntesten darauf, was uns erwartet. Am Karpfenteich kam dann die perfekte Überraschung. Dass die Trainer SO kreativ angemalt und mit Liebe gestaltet  (da waren Frauen am Werk!) waren, faszinierte alle aus dem Trainingslager ohne Ende. Ein wahrer Augenschmaus! Die Disziplinen für die Kinder waren super lustig und die Taufe bildete den Abschluss des ganzen Festes. An dieser Stelle muss man leider auch erwähnen, dass es zu einem sehr schweren Unfall kam, der für mindestens eine Stunde die gesamte Mannschaft schockierte. Enko geht es mittlerweile jedoch wieder relativ gut – eine nicht unbedingt notwendige Erfahrung war es trotzdem, für alle.

Ein weiteres Highlight des ganzen Trainingslagers war die Disko am Donnerstag. Es war unglaublich, wie plötzlich die kleinsten Jungs aus sich herauskamen und völlig ausgelassen tanzten, Spaß hatten und den Abend genossen. Die Erwachsenen saßen, das Geschehen beobachtend, am Rande und kosteten den Abend auf ihre Weise aus – ein absolut gelungener Abend, wie ich finde.
Schaut man auf diese knappen 2 Wochen zurück, waren es 2 wunderbare Wochen. Es gibt immer Momente, in denen sich einige Kanuten vielleicht gewünscht haben, nach Hause fahren zu können, gerade wenn es Streit gab, oder die Fairness der Trainer angezweifelt wurde – die meisten Jungs sah man wenige Stunden später wieder fröhlich unter der Menge. Selbst bei der wohl mit Abstand lästigsten Aufgabe des Lagers – dem Aufwaschen – motivierte man sich gegenseitig, selbst Straf-Abwasch wurde zu einer kleinen Party gemacht und ging dadurch viel leichter buchstäblich von der Hand. Man merkt einfach, dass ein Zusammenhalt da ist, der – wie alles im Leben – seine Hoch- und Tiefpunkte hat.

Wie auch schon vor 2 Jahren  kann ich einfach Danke sagen, dafür, dass ich mitkommen durfte, helfen durfte und alles miterleben konnte. Respekt auch an die Trainer – es ist nicht leicht diese Gruppe unter Kontrolle zu haben – dass dabei auch der eine oder andere Erwachsene seinen Kopf kurzzeitig verliert ist vorprogrammiert. Letztendlich hat aber jeder einzelne mit seiner eigenen Art und Weise dazu beigetragen, dass die Nerven strapaziert wurden und gleichzeitig der Spaß und die Freude am Sport und an Gemeinschaft mit anderen Menschen aufrecht erhalten wurde.
Danke für diese super Zeit!

Rici (beste Freundin von Elisa)