Homepage | Login | Sitemap | Impressum | Kontakt

Wanderfahrt nach Meißen

Schon zeitig hing im Bootshaus die Teilnehmerliste für unsere Wanderfahrt aus. Als ich mich einschrieb, hatte ich mich schon damit abgefunden, die Strecke bis nach Meißen im C4 mit den Kleinen zu fahren. Irgendwo musste mein Sohn Markus untergebracht werden, der so eine weiter Strecke im Schüler-Einer noch nicht durchhält. Desto größer war meine Freude, als mir unser Abteilungschef Frank eröffnet, dass er extra für mich seinen Prijon-Wander-Zweier von zu Hause mitbringt. An dem Boot hatte ich schon letztes Jahr in Kohlberg Gefallen gefunden.
Am letzten Trainingstag vor dem Ausflug wurden die Boote verteilt. Bei ca. 25 Teilnehmer keine leichte Aufgabe. Eine letzte Feinoptimierung bei der Aufteilung war dann am Sonntag vor dem Start nochmal nötig.
Gegen 10 war Treffpunkt am Bootshaus. Nach einer halben Stunde waren der Proviant für das Picknick verstaut und die Boote zu Wasser gelassen. Pünktlich zur verabredeten Zeit konnten wir mit insgesamt 12 Booten losfahren.
Anfangs saß ich sehr unbequem im Boot, so dass mir schon nach 5 Minuten der Rücken wehtat. Den entscheidenden Tipp gab mir Manuela, die Frau unseres Chefs. Ich solle doch das Sitzkissen unter meinem Hintern entfernen. Na dann schnell anlegen beim ESV und das Kissen wurde entfernt und hinter meinem Rücken verbannt. So konnte ich es endlich aushalten.
Durch diesen Zwischenstopp haben wir den Anschluss verpasst. Der Rest unserer Gruppe war schon gut einen halben Kilometer stromabwärts weitergepaddelt. Nun, da hieß es in die Backen zur Aufholjagd blasen. Nur meinem Markus war nicht nach schnell und ausdauernd paddeln. Während der Verfolgung sind uns 4 stark beladene Wandereiner begegnet. Auf meine Frage nach dem wohin, antwortete mir einer der Paddler lapidar – nach Hause. Sein Dialekt klang aber verdammt norddeutsch. Da haben die sich ja was vorgenommen. Ihr Zuhause ist in Rendsburg. Am Morgen waren sie in Dresden beim VKD gestartet und wollten auf ihrer ersten Tagesetappe bis nach Meißen. Nach dem kurzen Schwatz musste ich aber wieder „Gas geben“. Erst kurz vor der Brücke in Cossebaude holten wir die ersten Boote unseres Vereins ein.

Nach der Aufholjagd konnte ich gut eine Pause gebrauchen. Eigentlich war ja die Gohliser Windmühle als Rastpunkt ausgemacht aber an der waren wir schon lange vorbei. Kurz nach der Brücke hielten Frank und Jürgen nach einer Stelle zum Anlanden Ausschau. Eine seichte Stelle war glücklicherweise schnell gefunden. Die Boote wurden aus dem Wasser gezogen, die Utensilien für das Picknick ausgepackt und ein Bierchen aufgemacht. Idyllisch auf einer großen Elbwiese tanken wir unsere Kräfte mit Nudelsalat, Würstchen, Schnitzel und Kuchen wieder auf.
Nach genau einer Stunde wurden die Boote wieder zu Wasser gelassen. Der Kilometerstand auf der anderen Uferseite besagte, dass wir bereits schon über die Hälfte der gut 24 Kilometer langen Strecke geschafft haben. Es sollten noch 10 Kilometer bis Meißen sein.
Schon nach kurzer Zeit fing Markus unruhig auf seinem Sitz hin und her zu rutschen. Ihm fehle sein Sitzkissen. Ja genau, da hatte die Mama zum Picknick drauf gesessen. Doch wo war es jetzt. Die Mama war aber schon ganz weit vorn, weil sie mit Annet und der Terese Mutti  im C4 einen Vorsprung brauchten. Also hieß es wieder in die Backen blasen und den C4 einkriegen. Mittlerweile war es nicht mehr so einfach, das Boot einzukriegen, weil die Sonne brennt, die Kräfte schon etwas nachlassen und Markus immer unruhiger auf seinem Sitz wird. Dann kam da noch dieser monströse Schlepper, der verdammt hohe Wellen schlug. Das Boot liegt stabil und die Fahrt durch die Wellen macht mir sogar ein klein wenig Spaß.
Endlich haben wir den C4 mit der Mama ein. Das Kissen hat sie natürlich nicht aber wenigstens können die Frauen dem Markus mit ein bisschen Schaumstoff aushelfen.

Die Türme des Meißner Doms konnten wir schon sehen. Der Steg kam in Sicht. Ich war glücklich endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Hier muss ich feststellen, dass die Sonne meiner Haut ziemlich arg zugesetzt hat. Mal wieder habe ich die Kraft der Sonne auf dem Wasser unterschätzt.
Die Kinder dürfen noch ein bisschen in der Elbe plantschen, während die Boote auf den Hänger geladen werden. Der Großteil der Gruppe macht sich auf den Weg zum Bahnhof. Nur diejenigen, die mit dem Auto wieder zurückfahren, müssen noch die restlichen Boote laden. Am Bahnhof angekommen, gibt es die letzte große Herausforderung – der Fahrscheinkauf. Nachdem alle Kanuten in Familien und Kleingruppen aufgeteilt sind, will der Fahrkartenautomat unser Geld erst mit Nachdruck haben. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig, die Fahrkarten zu bekommen. Der Zug steht schon zur Abfahrt auf dem Bahnsteig bereit.
In Pieschen auf dem Bahnhof angekommen, mobilisieren wir unsere letzten Kräfte für den Marsch zum Bootshaus.
Die Wanderfahrt war für mich trotz der Strapazen sehr schön und ich freue mich schon auf den nächsten Bootsausflug.

Andreas Pohl